Deutsche Jugendvereinsmeisterschaften U-20 1998 in ErfurtErfolge an den vorderen Brettern
Vom 27.12. bis 30.12.98 wurden in Erfurt die Deutschen Jugendvereins- meisterschaften U20
im Schach ausgetragen. Für diese Meisterschaften hatte sich die Jugendmannschaft der
Schachfreunde Mainz im Vorfeld durch den Gewinn der Südwestdeutschen Meisterschaften
qualifizieren können. Die Deutschen Meisterschaften wurden in einem fünfrundigen Turnier mit
12 Vereinen ausgetragen. Jede Mannschaft bestand aus sechs Stamm- und wahlweise drei
Ersatzspielern. Die ohne Ersatzspieler angereisten Schachfreunde waren aufgrund ihres DWZ-
Durchschnitts lediglich auf Rang neun gesetzt, was darauf zurückzuführen ist, daß man sich
momentan in einer Umbruchphase befindet, da viele starke Spieler aus Altersgründen nicht
mehr teilnehmen durften. Aus diesem Grund entschlossen sich die Mainzer im Vorfeld des
Turniers dazu, ihre Mannschaft taktisch aufzustellen. Die Regeln verlangen, daß zwei der drei
DWZ-stärksten Spieler an den ersten beiden Brettern spielen müssen. Die Mainzer stellten ihre
Nummer drei, Sascha Falahat, am ersten Brett auf, gefolgt von den beiden stärksten Spielern
Elmar Karst und Daniel Kiefer. Die Bretter vier bis sechs waren dann wieder nach DWZ
aufgestellt. Dort spielten Florian Schertz, Sebastian Bauer und Matthias Boosch.
Am Morgen des 27.12.98 brachen die Mainzer mit zwei Pkws in Richtung Erfurt auf, wobei
anzumerken ist, daß eines der Fahrzeuge dankenswerterweise von der Firma BBK-
Automarkt/DAEWOO aus Ingelheim bereitgestellt wurde, ohne die Kosten dafür zu
berechnen. Damit war DAEWOO die einzige Firma, die die Teilnahme an der Deutschen
Meisterschaft finanziell unterstützte, wofür ihr an dieser Stelle ausdrücklich gedankt wird.
Kaum in Erfurt angekommen, mußte man sich bereits an die Bretter setzen, da der Terminplan
am ersten Tag dicht gedrängt war. Gleich zu Beginn des Turniers gelang den Schachfreunden
die Überraschung des Tages: man trotzte dem Hamburger SK – einem der Topfavoriten – ein
3:3 Unentschieden ab. Sascha hatte am ersten Brett gegen den für Hamburg spielenden
Internationalen Meister Jan Gustafsson zwar keine Chance, dafür kamen Elmar und Daniel an
den Brettern zwei und drei jedoch jeweils zu vollen Punkten. Da abzusehen war, daß Florian
und Matthias ihre Partien verlieren würden, hing alles von der Partie an Brett fünf ab. Nach
einer dramatischen Zeitnotphase mit vielen Fehlern, konnte Sebastian jedoch die Partie
gewinnen und so das Unentschieden sicherstellen.In der zweiten Runde bekam man die etwa gleich starken Magdeburger zugelost. Es entwickelte sich ein spannender Wettkampf, bei dem die Mainzer am Ende mit 3,5:2,5 das bessere Ende für sich hatten. Besonders hervorzuheben ist hier die Leistung von Sascha, der am ersten Brett seinem ca. 300 DWZ-Punkte stärkeren Gegner besiegen konnte. Am folgenden Tag mußten die Schachfreunde gegen den KS Hamburg antreten. Wieder wuchs Sascha über sich hinaus und erreichte gegen einen diesmal 400 DWZ-Punkte stärkeren Gegner ein Unentschieden. Da Elmar und Daniel sicher ihre Partien gewannen und Sebastian ein Remis beisteuerte, sah alles nach einem weiteren mainzer Sieg aus, da auch Florian auf Gewinn stand. Dieser fand jedoch im Endspiel nicht den richtigen Plan und verlor seine Partie sogar noch. Da auch Matthias seine Partie verloren hatte, mußte man sich mit einem sehr unglücklichen 3:3 zufriedengeben. Noch am gleichen Abend fand ein offenes 15-rundiges Blitzturnier in der Thüringenhalle statt,
an dem über 70 Spieler und Spielerinnen teilnahmen. Hier bewiesen die Mainzer, daß sie im
Blitzen zur deutschen Spitze gehören. Die erste Turnierhälfte wurde von Elmar dominiert, der
nach den ersten 7 Runden 7 Punkte auf seinem Konto besaß. In der zweiten Turnierhälfte
baute er jedoch ein wenig ab und es schlug die große Stunde von Daniel, der das Turnier am
Ende sicher mit 12,5 Punkten gewann. Dabei ließ er einige erfahrene Bundesligaspieler hinter
sich. Den mainzer Erfolg komplettierten Ingo Münch auf Platz 4 (bester Betreuer) und Elmar
(5. Platz).Der folgende Tag verlief dann allerdings leider weniger erfolgreich. Den meisten Spielern steckte die Enttäuschung über den Wettkampfverlauf des Vortages gegen den KS Hamburg noch in den Knochen. Gegen den SSV Rotation Berlin spielten bis auf Sascha (Remis am ersten Brett) und Elmar (Sieg an Brett zwei) fast alle Mainzer unter ihren Möglichkeiten, so daß dieser Wettkampf mit 2:4 verloren ging. Nach dieser Niederlage erhoffte man sich für die letzte Runde einen einfachen Gegner. Die Auslosung bescherte den Mainzern allerdings den SV Empor Erfurt. Die Gastgeber hatten bis zu diesem Zeitpunkt das Turnier klar dominiert und im bisherigen Wettkampf lediglich ein 3:3 gegen den Hamburger SK zugelassen. Als die Mainzer Spieler diese Auslosung am Vorabend der letzten Runde erfuhren, war die Stimmung ziemlich gedrückt, da man praktisch keine Möglichkeit mehr sah, eine gute Endplazierung zu erlangen.
Die letzte Runde bestätigte leider alle Befürchtungen. Die Erfurter ließen sich den Titelgewinn
nicht mehr nehmen und gingen schnell mit 4:0 in Führung. Florian gab daraufhin seine Partie
Remis, so daß zum Schluß nur noch die Partie von Elmar lief. Elmar winkte bei einem Sieg der
Preis für den besten Spieler an Brett zwei. Lange Zeit stand er jedoch ziemlich schlecht, so daß
niemand mehr an seinen Sieg glaubte. Dann gelang es ihm jedoch in der für ihn typischen
Weise, seinen Gegner mit einer Reihe von unorthodoxen Zügen zu verwirren und schließlich
den vollen Punkt einzufahren. Dieser Sieg brachte Elmar neben dem Brettpreis (4,5 von 5
möglichen Punkten) noch einen wunderschönen Pokal, 45 DM und eine großmeisterliche
DWZ-Performance von 2506 ein.Durch die Niederlage gegen Erfurt rutschten die Mainzer etwas unglücklich in der Endtabelle auf den 9. Platz ab. Trotz dieser eher bescheidenen Plazierung hat die Teilnahme allen Mainzern Spaß gemacht. Neben der Leistung von Elmar verdient das Ergebnis von Sascha am ersten Brett Anerkennung, der gegen stärkste Gegnerschaft zwei Punkte holte, obwohl er von vielen Außenstehenden im Vorfeld der Meisterschaften lediglich als Kanonenfutter angesehen wurde. Bericht: Ingo Münch Fotos: Daniel Kiefer
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